„Keine Tradition, sondern eine Unsitte“

Veröffentlicht am 24. August 2016 · Veröffentlicht in News, Presse

KERBAUFKLEBER Die Gemeinde Groß-Zimmern will härter gegen Sachbeschädigung vorgehen

Von Janka Holitzka
GROSS-ZIMMERN – In Zimmern ist die Vorfreude groß: Schließlich steht das Hochfest der kerbbegeisterten Gemeinde vor der Tür. Und das gleich mit dem 525-Jahr-Jubiläum, das am kommenden Wochenende gefeiert wird. Doch im Rathaus treibt’s dem Kulturbeauftragten angesichts des Festes auch die Sorgenfalten auf die Stirn. Der Grund: die Kerbaufkleber.

Seit einigen Jahren pflastern manche der Kerbjahrgänge „alle möglichen und unmöglichen Stellen“ mit Aufklebern, sagt Hans Peter Wejwoda, der bei der Gemeinde für Sport und Kultur zuständig ist. Die Aufkleber tragen jeweils ein Symbol des Jahrgangs. Seit vielen Jahren passiert das schon, doch mittlerweile habe es überhand genommen.

Ampeln würden so stark beklebt, dass das Leuchtsignal nicht mehr zu sehen ist, Verkehrsschilder so mit den Aufklebern gepflastert, dass sie vollständig getauscht werden mussten. Alleine auf dem Rathausplatz mussten im vergangenen Jahr 100 Aufkleber entfernt werden, so Wejwoda. Das koste die Gemeinde nicht nur Geld, das sei auch eine Gefahr im Straßenverkehr. Und auch Privatleute hätten Schaden genommen. Ganz schlimm wurde es nach Angaben von Wejwoda 2014.

Schon im vergangenen Jahr haben sich die Gemeinde und der Kerbverein deswegen zusammen gesetzt. Doch obwohl beide hier an einem Strang ziehen: Genutzt habe es wenig. „Die Aufkleber sind kaum weniger geworden. Und keine einzige Anzeige ist beim Ordnungsamt eingegangen, so dass wir den Übeltäter verantwortlich machen können. Es kennen sich ja alle untereinander“, seufzt Wejwoda, der selbst als Kerbborschte aktiv war.

Deswegen appelliert das Rathaus in diesem Jahr nicht nur an die Kerbjahrgänge selbst, das Kleben zu unterlassen. Sondern will auch härter gegen die Sachbeschädigung vorgehen. „Das ist keine Tradition, sondern eine Unsitte“, sagt Wejwoda, und ruft für die Kerb in der kommenden Woche auch Zeugen zur Zivilcourage auf. Wer jemanden beim Kleben erwischt, solle demjenigen ins Gewissen reden. Wenn das nichts nütze, bittet die Gemeinde um eine Anzeige wegen Sachbeschädigigung.

Der Kerbverein zeigte sich dem ECHO gegenüber überrascht über die härtere Gangart des Rathauses. „Davon habe ich noch gar nichts gehört“, sagte Mark Pullmann, der seit Frühjahr dem Kerbverein vorsteht. Der Verein sei sich der Problematik aber bewusst und bedauert, dass die Kerb zum Anlass für Sachbeschädigung genommen wird. Die Kerbborschte-Jahrgänge würden deshalb in den kommenden Tagen auch vom Verein noch einmal aufgefordert, von den Aufklebern abzusehen. „Weiteres können wir als Verein nicht beitragen“, teilt Pullmann weiter mit: „Weitere Kontroll- oder Sanktionsmaßnahmen liegen außerhalb unserer Möglichkeiten und fallen in den Verantwortungsbereich der Gemeinde.“

 

Quelle: echo-online.de